LueneZeit
Zeitung f. Stadt und LandKann Obama etwas ändern?
Yes we can. Das war einer der Slogans, die den sympathischen dunkelhäutigen Präsidenten mit an die Macht brachten. Wer würde das nicht gerne von sich sagen, bzw. von seiner Familie: “Yes, we can”?
Ja, wir können es: wir können unsere Schulden tilgen, wir können irgendwann ein kleines Auto kaufen, wir können die Waschmaschine reparieren, wir können die Angebote der Arge annehmen, die Drogenkarriere eines Familienmitglieds akzeptieren, den krebskranken Freund im Krankenhaus besuchen, am Samstag zum Tanzen gehen.
Yes, we can! Wir können Leserbriefe schreiben, wir können uns für ein bedingungsloses Grundeinkommen einsetzen, wir können uns für einen ehrlichen Geschichtsunterricht einsetzen, für größere Klassenräume und kleinere Klassen, für weniger schwere Räntzel und ein anderes Bewertungssystem in der Schule.
Was wir so ohne weiteres nicht können ist den Kapitalismus abschaffen. Der Kapitalismus ist die Triebfeder für die Wachstumsgeschwindigkeit, für die Ausbeutung der dritten Welt, für die Abholzung der Regenwälder, für die Klimakatastrophe, für die Bankenkrise, für die Wirtschaftskrise, um nur einige highlights kapitalistischer Ergebnisse aufzulisten.
Der Kapitalismus ist in der Krise. Nun wenn ich Kapitalist wäre, und die Leute in meinem Land würden immer mehr in die Schuldenkrise kommen, sie würden immer unzufriedener, sie würden teilweise resigniert und teilweise radikal, dann würde ich mir jemanden suchen, der alle wieder aufmuntert.
Ich würde mir jemanden suchen, dem die Leute glauben, dem die Menschen abnehmen was er sagt, ich würde mir jemanden suchen, der ablenkt vom Missmanagement, von der systemimmanenten Unmöglichkeit menschlich zu werden. Ich würde mir jemanden suchen, der sagt: “Yes, we can”! und es müßte jemand sein, der selbst nicht merkt vor welchen Karren er sich spannen läßt.
Ich glaube Bush wußte es noch einigermaßen was er da macht. Obama glaubt selbst an seine Vision. Und seine nette Frau glaubt auch dran und die netten Töchter natürlich sowieso.
Mir tut dieser Obama wesentlich mehr leid als Osama. Bin Laden ist ein Krieger in dem aktuell stattfindenden Krieg. Er kämpft immerhin auf der Seite der Unterdrückten. Das muss man ihm doch zugute halten. Ähnlich, wie man das der RAF zugute halten muss. Sie fühlten sich moralisch im Recht, da sie für die Unterdrückten kämpften.
Warum lehne ich Mord und Krieg und Soldaten in Afganistan ab? Ich glaube es ist inhuman, dass Menschen sich umbringen. Die Freiheit Deutschlands wird nicht am Hindukusch verteidigt. Dort gibt es gar keine deutsche Grenze.
Natürlich weiß ich wie Herr Struck von der SPD das meinte. Er meinte es ja gut, ähnich wie Obama und Ulrike Meinhof. Herr Struck meinte, dass durch den internationalen Terrorismus, die Aufmarschgebiete der Terroristen überall auf der Welt sein können und dass man sie dort vernichten müsse wo sie aufmarschieren.
Die Idealogie, die dahinter steckt ist, die anderen greifen an. Dass der Westen verantwortlich ist für das Verhungern der Völker, bzw. mitverantwortlich ist, das wird nicht gesehen. Unser Wirtschaftssystem ist der Hauptkriegstreiber. Wir haben die besten Waffenschmieden in Deutschland, wir haben große Kapitalströme, die Hunger und Krieg, Elend und Not bringen.
Wer glaubt, denn, dass die Verhungernden ewig warten? Wir sind am Zug. Wir die Humanisten des Westens. Wir müssen das Bewußtsein wecken, dass der Kapitalismus abgeschafft werden muss. Es muss eine Planwirtschaft mit humanen Entwicklungslinien eingeführt werden.
Yes we can. Vermutlich weder mit den etablierten deutschen noch amerikanischen Parteien, vermutlich weder mit Frau Merkel und Herrn Wulff noch mit der CDU oder SPD. Ob die Linke noch so klar auf dem antikapitalistischem Zug ist, bleibt abzuwarten.
Zunächst hört sich das doch völlig hoffnungslos an. Ich glaube jeder Funken Wahrheit, oder mehr Wahrheit, ist ein Funken im Feuer der Umwälzungen die auf uns zukommen. Die nächsten Jahre tut sich einiges.
Die Energie nimmt zu. Einige fangen jetzt schon an zu singen. Man muss mit dem Singen nicht warten bis alle gesund sind und keiner mehr verhungert. Einige werden immer auf dem Weg sein und einige werden immer leiden.
Um groß zu sein, sei ganz
entstelle und verleugne nichts,
was dein ist.
Sei ganz in jedem Ding.
Leg was du bist,
in dein geringstes Tun.
So glänzt in jedem See
der ganze Mond,
denn er steht hoch genug.
Fernando Pessoa
geschrieben zur Vollmondnacht auf den 9.2.2009
2 Kommentare»
Vielen Dank auch für die schöne Gedankenreise Pessoa .Und. ” Einige werden immer auf dem Weg sein und einige immer leiden “…Wie richtig…und dann gibt es noch die die auf dem W eg sind und immer mal wieder unterwegs auch leiden …geht nicht anders…aber warum nicht dabei Singen…Stimmt. In diesem Sinne….
es ist Frühlingsanfang: Es mag schon sein das das Grundübel mit Obama NUR eine viel menschlichere Fratze erhält.. Und NUR Mut hervorbringt. Und NUR den Glauben an Kraft .An Veränderbarkeit. An: “Yes we can.” Alles übrigens gute und notwendige Grundlagen AUCH für den Systemwechsel . Im Kleinen wie im Großen. Um die Erkennung des Einzelnen und um die Erweiterung seiner Wahl und Möglichkeiten geht es letztlich. Und auf dem Wege dorthin sind Charakterköpfe wie Obama an den Schalthebeln kleiner Mächte einfach die nettere Begleitung. Sehen wir es so ! ? “Yes, we can…mit liebem Gruß…”